Es gibt Spiele, die scheinen vom Anpfiff weg nur auf die Welt gekommen zu sein, um später darüber podcastend zu berichten. Neunzig Minuten, die soviel Stoff hergeben, um ganze DVD-Abende damit zu füllen. Andere qualifizieren sich gar schon im Vorfeld für diese zweifelhafte Ehre, zum Beispiel auf Grund aufkeimender Derbystimmung und extensiver Schadenfreude gegenüber den Ehemalsgroßen (Freiburg), bemitleidenswerten Farbkombinationen auf Brust- und Beinkleid (K?lautern) oder allein durch ihr Vorprogramm, in dem grenzdebile Hopfdohlen in blinkenden Karnevalskostümen versuchen, dem offenkundigen Desinteresse an ihrer Darbietung mit ausgiebigem Arschwackeln zu trotzen (Daddy Cool vor Cologne).
Der grandiose, vollends überzeugende und durch keinerlei Kölner Gegenwehr in Gefahr gebrachte Sieg unserer Helden ist definitiv eines davon. Das ?verdient? einen Podcast!
Fragt sich der Profi wie der Laie: Wo bleibt er?!
Antwort: Geht nicht. Habe wirklich alles probiert, das Ding auf die Beine zustellen. Zum Beweis ein kurzer Überblick meiner bisherigen Bemühungen, um diesen Podcast endlich in die Ohren der Miteinundfünfzigpunktenbestesteamimdeutschen-
profifußball-Fans zu blasen:
Dienstagmorgen 8 Uhr. Noch feierlich berauscht vom 2:1 und mit dem strahlenden Selbstvertrauen eines 51-Punktes-Fans steige ich in den Zug Richtung Hauptstadt. Wohnungsbesichtigung. In meinem Koffer befinden sich neben dem Nötigsten an Kleidung (insgesamt macht der textile Anteil ca. 4% aus) auch alles, was ein Podcasterherz braucht. Das sind ungefähr zehn Kilogramm Mikrofon-Equipment, Mischpult, 3m Kabel, Kopfhörer, Laptop, Stromadapter und ein Ploppschutz (für die P?s in ?Podcast?, ?Geißpöcke? und ?Spitzenreiter?).
Insgesamt muss ich mich bis Hannover gefühlte siebenmal rechtfertigen, warum ich Material zum Bau einer Rohrbombe mit mir führe. Aber dieser Podcast muss einfach raus. Angekommen und alles aufgebaut, stelle ich resigniert fest, dass die Technik nicht das tut, was sie soll. Das steinalte Dieter-Thomas-Heck-Mikro quittiert schon kurz nach der Begrüßungsfloskel seinen Dienst und der geliehene Laptop kennt das Wort ?Sprachaufnahme? scheinbar nur aus dem Vinylzeitalter. Shit.
Irgendwie komme ich auf die wirklich horrende Idee, bei der Nachbarwohnung nach einem ?...nun ja...Mikrofon??? zu fragen! Die alte Dame gegenüber schaut mich an, als hätte ich sie nach darum gebeten, die letzten DDR-Meister von 1980 bis 1991 auswendig aufzusagen, wahlweise Drogen zu kaufen oder eben mir ein Mikrofon (?Richtmikrofon, mit Ploppschutz bitte!? ) zur Verfügung zu stellen. Immer wichtig, wenn man als neuer Hausbewohner einen positiven Eindruck hinterlässt.
Mit meiner Ausrüstung bin ich mittlerweile beleidigt wie ein kleines Kind. Schlepp ich dich Millionen von Kilometer durchs Land und du hast kein Bock das zu tun, wozu du erfunden wurdest! Skandal!
Ich entwickele kriminelle Energie und begebe mich in ein Kaufhaus und dort in die Elektroabteilung. Dem Verkäufer erkläre ich, ich sei musicalerprobter Nachwuchs-Sänger und brauche ein ?Topgerät für hochprofessionelle Audioaufnahmen? zwecks Recall-Einladung bei ?dieser Casting-Nummer mit, wissen schon, dem Bohlen, und so.? Er zeigt mir die Granate unter den Audiomikrofonen, mit dem normalerweise die NASA den Weltraum nach Außerirdischen abtastet. Ich bin total unzufrieden und fange an zu nörgeln. Schlussendlich kaufe ich das Teil unter der Bedingung, dass ich es bei Nichtgefallen sofort Morgen wieder zurückgeben darf.
Genialer Schachzug eines kriminalistisch höchst anspruchsvollen Profiganoven. Zahle und ziehe zufrieden ab.
Zu Hause stelle ich fest, dass der Laptop dieses Gerät ebenfalls nicht akzeptiert. Ich erwäge kurz, es für einen Spottpreis meiner 85-jährigen Nachbarin zu vermachen, lass es aber dann aus Angst sein, sie könnte mir damit eins über die Rübe ziehen.
Jetzt bleib mir nichts anderes übrig, etwas traurig auf den fertig geschriebenen Podcast zu starren und festzustellen, dass mit dieser Ausrüstung aus Worten keine Sprache wird.
Sorry, Leute, hätte ihn gerne gemacht. Ich weiß, einige warten drauf und haben auch zurecht schon die ?Langeweile? hier kritisiert. Gelobe Besserung, sobald der Umzugstress vorbei ist und ich festen Boden unter den Füßen habe => noch in Liga zwei! ;))
Bis doherin, Grüße